Tintentank das war einmal – heute ist das Hightech

©-Xuejun-li-Fotolia.com
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Druckerpatronen zählen zu den am häufigsten eingesetzten Zubehörartikeln eines Druckers, zumindest bei den privaten Nutzern. Im Laufe ihrer Geschichte ist es zu tief greifenden und bedeutenden Wandlungen gekommen.

Zunächst gab es ausschließlich die eigens von den Druckerproduzenten hergestellten und genau auf das jeweilige Modell abgestimmten Patronen. Sie enthielten die jeweilige Menge an Tinte, die das Drucken ermöglicht. Später ließen sich die Patronen auch nachfüllen – inzwischen ist diese Sparmaßnahme Pflicht geworden. Die wieder befüllbaren Patronen eroberten sich ihren Platz – es gab und gibt sogar die Patronentankstellen, wenn der Verbraucher dies auch selbst erledigen kann. Ob diese Maßnahme sinnvoll und gut ist – darüber gehen die Meinungen auseinander. Mittlerweile haben indessen die sogenannten Alternativanbieter den lukrativen Markt mit diesem unerlässlichen Druckerzubehör für sich entdeckt: Sie bringen kompatible Patronen auf den Markt – zu einem deutlich günstigeren Preis, versteht sich.

Die Bemühungen der etablierten Druckerhersteller

Dass dies den Druckerherstellern deutlich missfällt, liegt auf der Hand. Um weiterhin ihre eigenen Produkte absetzen zu können, unternahmen die Druckerhersteller vielfältige Bemühungen und tun es weiterhin. Zunächst wiesen sie ihre Kunden darauf hin, dass die Garantieleistungen erlöschen, wenn sie Produkte von Fremdanbietern benutzen und es dadurch zu Schäden kommt. Der Erfolg war jedoch nicht allzu groß.

Schließlich gingen sie dazu über, jede einzelne Patrone mit einem Chip zu versehen, den der Drucker erkennt und auf diese Weise den anderen Produkten keine Chance lässt. Zumindest in der Theorie.

Die Herstellung von Chips für kompatible Patronen

Wer Chips für kompatible Patronen herstellen oder besser gesagt: nachbauen will, muss über ein ungeheures Know-how verfügen. Zudem benötigt er eine äußerst umfangreiche technische Ausstattung. Aus diesen Gründen ist es verständlich, dass es weltweit nur sehr wenige Spezialisten gibt, die solche Chips nachbauen können. Und die lassen sich ihre für die Auftraggeber letztlich lukrative Arbeit fürstlich entlohnen.

Den Anbietern der Kompatiblen ist sehr daran gelegen, ihre Produkte weiterhin absetzen zu können, und investieren darin. Dabei geht es um Hunderttausende von Euro. Vielfach schließen sich auch mehrere zusammen, um die Kosten auf ein leidlich erträgliches Maß zu reduzieren. Dennoch müssen sie etwa zwei US-Dollar pro Chip bezahlen, was sich dann auch auf den Verkaufspreis niederschlägt. Dennoch: Die Verbraucher sparen mit den so umgebauten kompatiblen Chips immer noch etwa 50 Prozent gegenüber der original Patrone.

Kompatible Chips am Beispiel der aktuellen Canon CLI-521 Patrone

Canon setzt – wie die übrigen Hersteller auch – ein großes Maß an Technik ein, um die Nachahmer daran zu hindern, die Chips nachzubauen. Allerdings gelingt es den wenigen Spezialisten dennoch, zum Ziel zu gelangen. Hatte es bis 2009, dem Erscheinungsjahr der ersten Chips der Alternativanbieter, noch zwei Jahre gedauert, ließ sich die Entwicklung beim jetzigen Chip auf neun Monate reduzieren.

Canon setzt ebenso wie andere Druckerhersteller eine ausgefeilte und sehr komplizierte Technik und auch komplexe Verschlüsselungsmethoden ein. Auf diese Weise wollen sie die Alternativanbieter möglichst lange daran hindern, den Nachbau zu realisieren. Der Chip von Canon besteht zum großen Teil aus Silizium. Er ist in mehreren Schichten aufgebaut, wobei jede einzelne eine bestimmte Funktion zu erfüllen hat. Dieses Geheimnis gilt es zunächst zu entschlüsseln; denn ohne Wissen um die verborgenen Schaltpläne lässt sich kein Chop nachbauen.

Chip
Chip

Der Spezialist geht wie folgt vor: Er schleift die einzelnen Schichten ab, untersucht sie unter dem Raster-Elektronen-Mikroskop und fotografiert sie mit einer besonders hochauflösenden Kamera.

Nach diesem ersten, schon sehr aufwendigen Schritt ist das Protokoll zwischen Drucker und Chip zu entschlüsseln. In diesem Fall spricht man vom Rekonstruieren eines fertigen Produktes, oder auch vom Reverse Engineering.

Nach diesen unumgänglichen Vorarbeiten geht es an die Herstellung des neuen Chips. Die größte Hürde stellen dabei die Patente des Original-Herstellers dar, die es zu umgehen gilt. Zudem muss das nachzubauende Produkt ganz genau dieselben Funktionen aufweisen wie das Original, da es sonst für die Verbraucher wertlos wäre. Ist auch diese Hürde genommen, können die Alternativhersteller wie etwa KMO, Jettec oder Peach die Chips auf ihren Patronen anbringen und als Ganzes verkaufen.

Der erste kompatible Chip von Apex

Das chinesische Unternehmen Apex war das erste, dem der Bau eines kompatiblen Chips gelang. Das in die Entwicklung investierte Geld kam sehr schnell wieder herein, weil alle Alternativhersteller das neue Produkt benutzten. Ein großer Vorteil dieses Chips besteht darin, dass er sich mithilfe des Canon Chip Resetters zurücksetzen lässt. Er zeigt also auch nach dem erneuten Befüllen der Patrone wieder den kompletten Tintenstand an, wodurch er sonst unbrauchbar geworden wäre. Es sei denn, der Verbraucher hätte an seinem Drucker die Anzeige des Füllstands deaktiviert.

Der kompatible Patronenchip für Canon von Static Control

Dem US-amerikanischen Unternehmen ist es mittlerweile ebenfalls gelungen, einen kompatiblen Canon-Chip zu produzieren. Er kostet weniger als einen Euro. Die Verbraucher wird es freuen; dies umso mehr, als durch den jetzt entstandenen Wettbewerb die alternativen Patronen insgesamt deutlich günstiger zu haben sein werden.

Einen Nachteil hat der kompatible Chip von Static Control jedoch: Es nicht möglich, die Tintenstandanzeige zurückzusetzen. Und eine Prognose darüber ist schwierig, bei welchen Alternativpatronen dies künftig machbar sein wird.

Die Reaktionen der original Hersteller auf die Chips der Alternativanbieter

Selbstverständlich ist den Druckerherstellern daran gelegen, die Alternativanbieter, wenn schon nicht dauerhaft, so doch zumindest möglichst lange daran zu hindern, ihre Chips nachzubauen und auf diese Weise selbst viel Geld zu verdienen, das den Ersteren auf diese Weise verloren geht. Es ist durchaus möglich, mit Nanotechnologien zu arbeiten und die eigenen Chips noch sehr viel kleiner zu machen. So wäre es für die ‚Nachahmer‘ deutlich schwerer, das jeweilige Produkt nachzubauen. Das würde aber für die Druckerhersteller einen erheblichen Mehraufwand in finanzieller Hinsicht bedeuten, was automatisch entweder zu noch höheren Preisen oder zu kleineren Gewinnen führt. Beides wünscht sich kein Produzent.

Ob es überhaupt denkbar ist, jemals einen Chip so zu gestalten, dass er nicht reproduzierbar ist, mag dahingestellt bleiben. Schon jetzt betreiben die Spezialisten einen ungeheuren Aufwand, der mit einigen zusätzlich eingebauten Finessen eben nur noch etwas größer wäre. Und das wird die Alternativanbieter kaum abschrecken.

Die tatsächliche und die angebliche Funktion der Chips

Die Druckerhersteller behaupten, dass die auf ihren Patronen angebrachten Chips lediglich der Tintenstandkontrolle sowie der Qualitätssicherung dienen, nicht jedoch als Blocker für eine eventuelle Wiederverwendung zu verstehen sind. Und das aus gutem Grund. Die Elektronikschrott-Richtlinie der EU hat nämlich in Absatz 4 festgelegt, dass es den Produzenten von Verbrauchsteilen nicht gestattet ist, deren Wiederverwendung durch technische Details zu verhindern. Wie man sieht, versuchen sie es zwar, aber es gelingt ihnen keineswegs.

Die Hinderungstechniken der Druckerhersteller

Allen großen Herstellern von Druckern liegt verständlicherweise viel daran, ihre Patronen gegen Nachahmung zu schützen. Vollkommen wird ihnen das vermutlich nicht gelingen, aber zumindest können sie die Zeit bis zum Entschlüsseln der dem Chip innewohnenden Technik hinauszögern. Sie bedienen sich dabei unterschiedlicher Methoden.

Brother

Als Einziger der großen Druckerproduzenten verzichtet brother vollkommen auf die Chips an seinen Tintenpatronen. Die Funktion der Tintenstandanzeige übernimmt ein Sensor in der Patrone, der auch nach der erneuten Befüllung funktioniert.

Mit dem Verzicht auf die Chips konnte das Unternehmen zuvor verloren gegangene Marktanteile zurückgewinnen, und zwar aus folgendem Grund. Bevor sich jemand zum Kauf eines Druckers entscheidet, überprüft er vielfach die Möglichkeiten für Alternativpatronen. Diese funktionieren bei den Geräten von brother ausgezeichnet, was eben zum verstärkten Absatz der Drucker und Multifunktionsgeräte geführt hat.

Selbstverständlich würde auch brother lieber ausschließlich seine eigenen Patronen absetzen. Da dies jedoch nicht machbar ist, geht das Unternehmen rigoros gegen Patentverletzungen vor. KMP und Jettec etwa mussten ihre Alternativpatronen vom Markt nehmen und komplett überarbeiten.

Canon

Canon bedient sich bei den einzelnen Produktlinien unterschiedlicher Methoden, um den Nachbau seiner Patronen zu verhindern oder zumindest deutlich zu erschweren.

Bei den sogenannten Einstiegsdruckern verwendet das Unternehmen Druckkopfpatronen. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie einen integrierten Druckkopf besitzen, was den Nachbau streng untersagt. Die einzelnen Teile sind nämlich mit Patenten geschützt, die sich nicht umgehen lassen. Daher sammelt Canon seine leeren Druckerpatronen und befüllt sie nach der Reinigung erneut.

Die Patronen für die hochwertigeren Multifunktionsgeräte und Drucker von Canon sind mit einem sehr stark verschlüsselten Chip versehen. Vermutlich werden die Nachfolgemodelle wieder mit einem anderen, vielleicht sogar noch komplexeren Chip ausgestattet sein.

Epson

Schon lange verzichtet Epson vollkommen auf Druckkopfpatronen; das Unternehmen verwendet ausschließlich Einzelpatronen mit Chip. Deren Verschlüsselung ist indessen längst nicht so komplex wie die anderer Hersteller mit der Folge, dass der Nachbau oft nur wenige Wochen dauert. Insbesondere dem Unternehmen Jettec ist mit der patentierten Lösung Jettec Extra Life Technik ein großer Wurf gelungen; seine Patronen können angeblich doppelt so viel drucken wie die Originale von Epson, was den Preis demnach drastisch senkt.

Um dennoch ein wenig Zeit vor den Entschlüsselungen der Alternativanbietern zu gewinnen, setzt Epson eine beinahe schon geniale Methode ein: die der unterschiedlichen Firmware bei Druckern mit den gleichen Patronen. Das bedeutet: Lediglich ältere Druckermodelle können diese Firmware erkennen und auch mit Alternativpatronen einwandfreie Ergebnisse liefern – neue dagegen nicht. Aber bei den original Epson-Patronen entfällt diese Problematik.

Die Spezialisten für den Nachbau werden auch diesen Trick rasch beheben können; aber zumindest bis dahin lässt sich ausschließlich das Zubehör von Epson verwenden.

Ein weiterer Punkt zur Sicherung der original Patronen von Epson liegt in dem abstehenden Bügel, für den es ein Patent gibt. Gewiss, auch ohne dieses zusätzliche Element kann die Alternativ-Patrone gute Ergebnisse liefern, tut es aber nicht zwingend – je nach dem, eine wie gute Arbeit den Spezialisten beim Nachbau gelungen ist. Zumindest aber rastet das nachgemachte Produkt nicht mehr hörbar ein, was viele eventuell Verbraucher verunsichert.

HP

Eine Zeit lang verwendete HP ausschließlich Druckkopfpatronen, die sich kaum nachbauen lassen. Es gibt sie bei einzelnen Modellen noch immer. Aus diesem Grund sammeln verschiedene Recyclingfirmen die leeren original Patronen und bringen sie wiederbefüllt auf den Markt – selbstverständlich zu einem deutlich niedrigeren Preis.

Man munkelt, dass HP ebenfalls leere Patronen aufkauft, und zwar in großem Umfang, um den Bestand daran für die Nachahmer zu möglichst klein zu halten. Dadurch würden zugleich die Preise für die nachgefüllten Originale steigen, was dann deutlich weniger interessant für die Verbraucher ist.

Inzwischen ist HP verstärkt zu den Einzelpatronen mit Chip übergegangen. Da sie besonders stark und komplex verschlüsselt sind, lassen sie sich angeblich nicht nachbauen. Ob das tatsächlich so ist, wird die Zukunft zeigen. Zumindest erweist sich diese Produktion für HP als deutlich kostengünstiger als die der Druckkopfpatronen, was das Unternehmen vermutlich von den Druckkopfpatronen Abschied nehmen lässt.

Lexmark

Die Strategie von Lexmark zur Verhinderung von nachgebauten Patronen ist besonders ausgeklügelt, hat sich aber zumindest in den USA nicht durchsetzen können. In Deutschland werden die Gerichte über die Zulässigkeit entscheiden müssen.

©-WoGi-Fotolia.com
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Eine Zeit lang brachte Lexmark ausschließlich Druckkopfpatronen für seine Drucker auf den Markt. Sie ließen sich nachfüllen, aber nicht nachbauen. Inzwischen gibt es Einzelpatronen mit Chip – bis hier also noch nicht ungewöhnlich. Bei dem Chip handelt es sich um einen RFID-Chip (radio-frequency identification, also eine Identifizierung durch elektromagnetische Wellen). Das bedeutet: Er tritt per Funk mit dem Drucker in Verbindung, um den aktuellen Tintenstand anzuzeigen. Darüber hinaus verhindert er, dass der Verbraucher eine neu befüllte Rückgabepatrone einsetzt.

Sinn und Zweck der Rückgabepatronen von Lexmark

Lexmark bietet seine Patronen aus der 100-Reihe in zwei Versionen an. Bei der Ersten handelt es sich um solche ohne A in der Artikelnummer. Sie hat ihre vermeintliche Daseinsberechtigung im Return Programm des Unternehmens. Der Verbraucher ist verpflichtet, sie am Ende der Nutzungsdauer an den Hersteller zurückzuschicken, ohne dass sie sich jedoch nachfüllen lässt.

Die gleichen Patronen mit einem A in der Artikelnummer sind jedoch nachfüllbar, dafür auch etwas teurer. Tests haben allerdings ergeben, dass diese Sorte kaum verschickt wird. Augenwischerei also?

Wer einen neuen Drucker von Lexmark kauft, findet beim Zubehör Patronen mit sehr wenig Tinte. Sie lassen sich nicht erneut befüllen und der Kunde ist sogar dazu verpflichtet, sie nach dem Gebrauch an den Hersteller zurückzuschicken. Darüber wird er im Kleingedruckten auf der Verpackung des Druckers informiert. Dort ist sinngemäß zu lesen, dass der potenzielle Kunde im Vorfeld die harschen Konditionen von Lexmark zu akzeptieren hat, die Folgendes enthalten:

Der Verbraucher ist dazu verpflichtet, ausschließlich die original Patronen von Lexmark zu verwenden.

Nach Gebrauch muss er die leeren Patronen an Lexmark zurückschicken.

Über die Website des Herstellers hat der Käufer die weiteren lizenzierten Patronen zu erwerben.

Bereits mit dem Öffnen der Verpackung des Druckers akzeptiert der Käufer diese Bedingungen.

Fazit

Als sich die Alternativanbieter von Druckerpatronen mit deutlich günstigeren Preisen am Markt etablierten, begann für die Druckerhersteller ein erbitterter Kampf, um ihre eigenen Produkte zu schützen. Er wird vermutlich nie vollkommen ausgefochten sein, zumal sich die nachgebauten Patronen bei den Verbrauchern sehr großer Beliebtheit erfreuen.

 

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