HP rudert zurück: Neues Update erlaubt wieder fremde Tintenpatronen

Mit einer neuen Firmware werden Softwarelücken behoben, die Performance verbessert oder neue Funktionen eingeführt. Viele Nutzer legen deshalb Wert darauf, ihre Geräte auf dem aktuellen Stand zu halten und viele Unternehmen installieren die Updates bereits automatisch, um ihren Kunden den mitunter aufwendigen Prozess zu erleichtern. Eine neue Firmware kann aber auch versteckte Extras enthalten, die nicht immer im Interesse der Kunden sind. So wie das Update für Tintenstrahldrucker von HP, das der Hersteller Ende 2015 an seine Kunden verteilte.

Massenhafter Ausfall an einem einprogrammierten Stichtag

Am 13. September 2016 versagten plötzlich etliche Hewlett-Packard auf der ganzen Welt von einem Tag auf den anderen ihren Dienst. Schuld war dieses Mal kein Virus, sondern der Konzern selbst. Es hatte in seinem Update eine Software eingebettet, die zu diesem Stichtag den Betrieb der Drucker mit Fremdtinte ausschließen sollte. Der Hintergrund: Wie viele andere Druckerproduzenten erwirtschaftet auch HP einen Großteil seines Gewinns nicht mit den Geräten selbst, sondern mit den Tintenpatronen. Schon seit langem besitzen diese deshalb einen Mikrochip, der nicht allein dazu dient, etwa den Füllstand zu ermitteln, sondern mit dem sie sich in dem Drucker identifizieren. Stammt die Signatur nicht von dem Hersteller selbst, können die Drucker Fremdpatronen daran erkennen und im schlimmsten Fall die Zusammenarbeit verweigern, obwohl die Patrone selbst vollständig mit dem Gerät kompatibel ist. Und genau eine solche Funktion beinhaltete die neue Firmware.

Heftiger Protest der betroffenen Kunden

Selbstverständlich stieß das Vorgehen auf wenig Verständnis auf Seiten der Kunden, die bislang ein vollkommen fehlerfreies Gerät in Betrieb hatten. Das muss auch dem Konzern klar gewesen sein, denn zunächst leugnete er jegliche Verantwortung und verwies auf die Hersteller der kompatiblen Tintenpatronen. Erst als diese anhand eines dekodierten Updates zweifelsfrei nachweisen konnten, dass HP selbst für die Verbreitung verantwortlich war, ruderte das Unternehmen zurück. In einer Pressemitteilung gab es zu, dass es vereinzelt und in Ausnahmefällen zu Problemen kommen könne, von der allerdings nur eine kleine Zahl von Geräten betroffen sei. Ganz im Widerspruch zu diesem Statement steht allerdings die schnelle Reaktionszeit, mit der HP auf den Vorfall reagierte. Aufgrund des massiven Protestes versprach das Unternehmen, innerhalb von zwei Wochen Abhilfe zu schaffen. Mittlerweile hatte allerdings auch die Hersteller der Patronen ihre Chips so umprogrammiert, dass die neue Generation auch mit Update lauffähig blieben.

Kurz vor dem Fristablauf hält HP sein Wort

Und tatsächlich – am letzten Tag vor Ablauf des selbst gestellten Ultimatums veröffentlichte HP eine neue Firmware, mit dem Fremdtinte wieder problemlos genutzt werden kann. Die vorher als fehlerhaft deklarierten Farbpatronen nahmen widerspruchslos ihren Betrieb wieder auf. Trotz der offenkundigen Beweise besteht das Unternehmen allerdings immer noch darauf, dass die Schuld nicht bei ihm zu suchen sei. Der Image-Schaden, den es mittlerweile wegen seines Vorgehens erlitten hat, ist allerdings enorm. Besonders heftig wurde dabei das Vorgehen kritisiert, die Tintensperre erst zu einem bestimmten Stichtag mehr als ein halbes Jahr nach dem Update in Kraft treten zu lassen. Dieses Vorgehen ist sonst vor allem aus Schadsoftware wie Viren und Trojaner bekannt und für eine neue Firmware vollständig unüblich. Experten vermuten deshalb, dass damit gezielt ein Zusammenhang zwischen dem Update und der Verweigerung von Fremdpatronen verschleiert werden sollte.

Die Zukunft ist ungewiss

HP betont hingegen, dass es mit seiner Sperre nur die Verbraucher vor schlechten Patronen schützen wolle. Es gab an, dass der Gebrauch von Fremdtinte zu schlechten Druckergebnissen führen und im schlimmsten Fall sogar den Drucker beschädigen könne. Außerdem würde die Sperre von Fremdpatronen dazu dienen, gefälschte Markenprodukte besser zu erkennen und auf diese Weise die Produktpiraterie zu bekämpfen. Mit diesen Argumenten begründet der Hersteller auch seine Absicht, die Verwendung von nicht lizenzierten Tintenpatronen in Zukunft wieder einzuschränken. Er will jedoch in Zukunft seine Kunden genauer über die Einführung entsprechender Maßnahmen informieren. Das bedeutet immerhin, dass hoffentlich weitere Versuche ausbleiben werden, etwaige Sperren durch die Hintertür einzuführen. Langfristig bedeutet es für die Benutzer von HP Druckern aber nichts Gutes. Noch haben sie zwar die Möglichkeit, ein entsprechendes Update nicht zu installieren oder im schlimmsten Fall sogar ein sogenanntes Downgrade auf eine vorherige Version vorzunehmen. Auf Neugeräten wird die neue Software jedoch in jedem Fall installiert sein. Darüber hinaus hat HP seine Sperre automatisch und ohne direkte Aufforderung des Nutzers installiert. Wer aber weiter seine alten Patronen nutzen will, muss auf diesen Komfort verzichten. Die neue, entsperrte Firmware gibt es nur zum Download auf der Homepage und muss anschließend manuell installiert werden.

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