Wie wird Tinte hergestellt? Zur Produktion und Geschichte einer wertvollen Flüssigkeit

Die Verfahren zur Herstellung von Tinte haben sich im Lauf der Jahrtausende stark gewandelt. | © Bild: 11955129 - Garsya, depositphoto.com

Tinte gehört zu den Erfindungen, welche die Kulturen und somit die Entwicklung der Menschheit nachhaltig beeinflusst haben. Doch wie wird Tinte hergestellt – und wie hat sich der Fertigungsprozess im Laufe der Jahrhunderte (von der Eisengallustinte bis hin zu modernen Tintensorten) verändert? Welche Zutaten werden benötigt, damit auf dem Papier ein gutes Schrift- beziehungsweise Druckbild entsteht? Diesen und anderen Fragen wollen wir in diesem Artikel nachgehen.

Geschichte der Tintenherstellung

Wie bei vielen anderen bahnbrechenden Erfindungen auch liegt der Ursprung der Tinte im alten Ägypten. Dort wurden die ersten Tinten bereits ab circa 3000 v. Christus gemischt und verwendet, um Papyrus, der Vorläufer des Papiers, zu beschreiben. Die damals verwendete Tinte war entweder rot oder schwarz und wurde aus einem Gemisch aus Ruß beziehungsweise eisenoxydhaltiger Erde, Essig und Wasser hergestellt. Hinzu kam ein Bindemittel wie zum Beispiel Gummi arabicum, welches wiederum aus Akazienbäumen gewonnen wird.

Indische Tinte: Unerlässliches Mittel für die Kalligraphie

Auch in China wurden ab etwa 2600 v. Christus vergleichbare Tinten gemischt. Die bewährten Rezepte blieben dort für etwa 1600 Jahre erhalten, denn erst 1000 v. Christus begann die so genannte Indische Tinte, sich durchzusetzen und an Einfluss zu gewinnen. Hier änderte sich die Zusammensetzung erstmals grundlegend: dem aus verbrannter Nadelholzkohle und Lampenöl gewonnenen Ruß wurde ein Leim aus Gelatine beigemischt. Dieser Brei wurde anschließend in Stangenform zusammengepresst und getrocknet. Wollte man die Tinte anschließend zum Schreiben oder Zeichnen verwenden, konnte man sie unter Zuhilfenahme von Wasser wieder verflüssigen. Diese Technik hat sich übrigens bis heute erhalten, da sie in der Kalligrafie (die Kunst des Schönschreibens von Hand) nach wie vor Verwendung findet.

Eisengallustinte: Erfolgsrezept bis auf den heutigen Tag

Fast schon als bahnbrechend ist die Erfindung der Eisengallustinte zu bezeichnen, die im 3. Jahrhundert v. Christus. stattfand. Nicht nur während des gesamten Mittelalters, sondern sogar bis ins 20. Jahrhundert hinein blieb diese Tintensorte die wichtigste Tinte überhaupt.

Für die Herstellung von Eisengallustinte wird aus Schwefelsäure gewonnenes Eisensulfalt benötigt, welches mit Wasser, Gummi arabicum und Gallussäure vermischt wird. Diese letztgenannte Zutat wird aus zerkochten und zerstampften Galläpfeln gewonnen. Bei Galläpfeln handelt es sich wiederum nicht um Früchte, wie man zunächst annehmen könnte, sondern um befruchtete Eier der Gemeinen Eichengallwespe. Diese werden von den Insekten an der Unterseite von Eichenblättern abgelegt, worauf der Baum in einer Abwehrreaktion eine Wucherung rund um die Ablegestelle bildet. Ein solcher Gallapfel enthält hohe Anteile von Gerbsäure (Tannin) und Gallussäure, welche einen wesentlichen Anteil bei der Herstellung von Eisengallustinte besitzt. Interessant ist, dass die Tinte erst durch Oxidation (Reaktion mit Sauerstoff) auf dem Papier sichtbar wird. Das zweiwertige Eisen reagiert zu dreiwertigem Eisen, das mit der Gallussäure aus der Flüssigkeit eine Verbindung eingeht. Das Ergebnis ist eine tiefschwarze Tinte, die in diesem Zustand erst nach etwa einem Tag vollständig sichtbar ist. Um sie beim Schreiben besser sichtbar zu machen, werden der Tinte meistens noch Farbstoffe beigemischt, die später wieder verblassen und dem eigentlichen Schwarzton Platz machen.

Galläpfel stellen einen wesentlichen Bestandteil der Eisengallustinte dar.  | © Bild: 11955129 – Artverau, depositphoto.com

Der „industrielle Durchbruch“ der Eisengallustinte erfolgte ab 1856, nachdem der sächsische Parfümbfabrikant und Chemiker Christian August Leonhardi die von ihm entwickelte Alizarin-Tinte zum Patent angemeldet hatte. Diese Tintenart basierte auf der altbekannten Eisengallus-Rezeptur, die mit dem Farbstoff Alizarin versetzt wurde und sich schnell weltweiter Beliebtheit erfreute.

Eisengallustinte ist nicht zuletzt wegen der bedeutenden Schriftstücke, die mit ihr verfasst wurden, auch im Hinblick auf die Menschheitsgeschichte von großer Bedeutung. Dazu gehören unter anderem die Magna Carta, die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika sowie Briefe von Charles Darwin und Zeichnungen von Rembrandt, Vincent van Gogh und Leonardo da Vinci.

Bis heute wird Eisengallustinte zur Unterzeichnung wichtiger Dokumente verwendet, da sie als dokumentenecht (schnelle Trocknung, nicht radierbar, lichtecht und wasserfest) gilt.

Sepiatinte: Farbstoff aus Tintenfischen

Diese spezielle Tintenart kommt bis auf den heutigen Tag zur Anwendung; allerdings wird sie eher weniger zum Schreiben oder Zeichnen verwendet. Die Rede ist von der so genannten Sepiatinte, die aus dem Farbstoff gewonnen wird, der sich in den Tintenbeuteln von Tintenfischen befindet. Dieser Beutel wird nach dem Fang der Tintenfische entfernt, getrocknet und anschließend gemörsert. Das auf diese Art gewonnene Pulver kann, mit Wasser gemischt, als Schreibtinte eingesetzt werden. Diese Art der Herstellung von Tinte wurde erstmals von dem römischen Politiker und Schriftsteller Marcus Tullius Cicero (106 – 43 v. Chr.) beschrieben; die konkrete Verwendung von Sepiatinte ist allerdings erst ab 1780 belegbar.

Aus dem Tintensack von Tintenfischen lässt sich der begehrte Farbstoff Sepia extrahieren. | © Bild: 9842037 – mexrix, depositphoto.com

Heutzutage wird Sepia zum Färben von Lebensmitteln (insbesondere Nudeln oder Reis) sowie in der Aquarellmalerei verwendet.

Farbige Tinte im frühen Entwicklungsstadium

Neben Tinte mit schwarzer Färbung, die zum Beschreiben von Pergament (und später Papier) eingesetzt wurde, wurden im Mittelalter auch Mittel und Wege zur Herstellung von Tinten ersonnen, die bestimmte farbige Pigmente enthielten und dadurch vom üblichen Schwarzton abwichen. Mit ihnen war es möglich, Illustrationen anzufertigen und Schriftstücke in besonders edlem Licht erstrahlen zu lassen. Dazu gehören zum Beispiel Goldtinte, Silbertinte oder Dornrindentinte, die eine rotbraune Färbung aufweist und deren Herstellung erstmals um das Jahr 1100 n. Chr. durch den Mönch Theophilus beschrieben wurde. Bei der Herstellung kamen Schlehenzweige, Wasser, Wein und Baumharz zum Einsatz. Der so genannte Bister wurde zwar relativ spät erfunden, soll hier aber auch nicht unerwähnt bleiben.

Einige weitere historische Färbemöglichkeiten von Tinte:

Karmin-Tinte: einen schönen Rot-Ton ergeben zerquetschte Kermes-Schildläuse, die bereits in frühester Zeit zur Gewinnung von Farbe verwendet wurden. Nach der Entdeckung des amerikanischen Kontinents wurde die Produktion mit Cochenille-Schildläusen fortgeführt, da diese sich als wesentlich ergiebiger herausstellten. Das durch die Läuse gewonnene Karmin wurde in Ammoniak gelöst und durch den Zusatz von Gummi arabicum zu einem schreibfähigen Gebräu verarbeitet.

Preußisch-Blau: Die Entdeckung dieses Farbstoffs im Jahre 1706 war ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur industriellen Farbstoff-Fertigung, denn das hochwertige Pigment konnte problemlos in größeren Mengen hergestellt werden. Preußisch-Blau wird in der Chemie eigentlich als Eisenhexacyanoferrat (Druckexperten haben vielleicht direkt das Wort „Cyan“ in diesem zungenbrecherischen Begriff ausgespäht) bezeichnet und wird aus Eisen- sowie Blutlaugensalz gewonnen. Der Farbstoff wurde in Oxalsäure aufgelöst und anschließend mit Gummi arabicum versetzt.

Brasilholz-Tinte: Die Herstellung dieser roten Tinte war vor allem deshalb so teuer, weil das benötigte Holz des Rotholzbaumes aus Indien importiert werden musste. Besagtes Holz wurde mehrfach ausgekocht und gefiltert und anschließend unter Zugabe eines Metallsulfats (kristallisiertes, wasserhaltiges Doppelsalz) zu einer tiefroten Tinte angerührt.

Blauholz-Tinte: Diese Tinte wird aus dem Holz des Blutholzbaumes gewonnen, der ursprünglich aus Mexiko stammte und Ende des 19. Jahrhunderts auch in den niederländischen Kolonien Indiens kultiviert wurde. Entsprechend teuer war also auch diese Tintensorte. Zur Gewinnung wird das Holz des Baumes ausgekocht, woraufhin der abgekochte Saft einige Zeit lang reifen muss. Das Ergebnis spielt eher in Richtung Violett.

Gelbe „Tinte“: Die Erzeugung eines gelben Farbstoffs war bereits im Mittelalter ein diffiziles Unterfangen. Die Gewinnung aus natürlichen Rohstoffen wie Bäumen oder Erden erwies sich als unmöglich, weswegen man mit den Anfängen von Alchemie und Chemie auf Blei- und Arsenverbindungen zurückgriff, um gelbe Farbstoffe zu erzeugen – so zum Beispiel Auripigment, Blei-Zinn-Gelb oder Bleichromat.

Im 19. Jahrhundert erstarkte die moderne Chemie, was auch die Entwicklung einer Vielzahl neuer Farbstoffe zur Folge hatte und dadurch auch die Kreation neuer Tinten zur Folge hatte. Permanente Forschung und Weiterentwicklung resultierten nicht zuletzt in der Erfindung moderner Druckertinten, so wie wir sie heute kennen.

Wie wird Tinte heute hergestellt?

Wie bereits gesagt, wird Eisengallustinte nach modernen Rezepten bis auf den heutigen Tag verwendet. Doch daneben haben sich natürlich auch neue Tintensorten etabliert. Die Hersteller sind natürlich darauf bedacht, ihre Original-Rezepte geheim zu halten; jedoch lassen sich ein paar allgemeingültige Beobachtungen rund um die (industrielle) Herstellung von Tinte festhalten.

Die Grundstoffe zur Tintenherstellung

Auch wenn die spezifische Zusammensetzung jeder einzelnen Tinte unterschiedlich ist: es gibt drei grundlegende Zutaten, auf welchen moderne Tinten in aller Regel basieren. Diese sind wie folgt:

  • Wasser
  • Farbstoff
  • Befeuchtungsmittel

Wasser besitzt dabei den größten Anteil (je nach Tinte beträgt dieser 70 bis 90 Prozent). Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Reinheit des Wassers gelegt.

Der Farbstoff ist verantwortlich für die Farbe der Tinte und stellt somit das Herzstück einer jeden Zusammensetzung dar. Prinzipiell kann heutzutage jeder beliebige Farbstoff (sowohl löslich als auch unlöslich) verwendet werden, wenn das passende Lösungs- bzw. Bindemittel beigemischt wird. Gewisse Farbstoffe haben sich zur Herstellung bestimmter farbiger Tinten durchgesetzt.

  • Für das Schreiben mit Füllfederhaltern, insbesondere in der Schule, wo sowohl das Schreiben an sich als auch die Rechtschreibung gelehrt wird, ist die Verwendung blauer Tinte wegen ihrer hervorragenden Wasserlöslichkeit beliebt. Dabei handelt es sich um so genannte Triphenylmethanfarbstoffe; konkrete Beispiele sind Wasserblau oder Helvetia Blau. Diese Farbstoffe können bei Bedarf mit einem Tintenkiller wieder unsichtbar gemacht werden.
  • Schwarze Tinte basiert meistens auf dem Pigmentfarbstoff Farbruß.
  • Rote Tinte erhält man durch den Einsatz des Farbstoffes Eosin.
  • Grüne Tinte kann durch die Beimischung von saurem Indigokarmin hergestellt werden.
  • Weiße Tinte enthält die gleichen Pigmente wie Deckweiß; dieses Pigment selbst ist nicht näher definiert; verschiedene Substanzen wie Zinkoxid, Titanoxid, Bleiweß oder Bariumsulfat kommen in Frage.

Tintenherstellung: die Produktionsschritte

Die einzelnen Schritte in der Herstellung von Tinten unterscheiden sich voneinander; Einzelheiten sind nur schwer zu benennen, da die Produzenten, wie oben bereits gesagt, sehr darauf achten, ein Nachbrauen Ihrer Tinten durch strenge Geheimhaltung des Fertigungsprozesses zu verhindern. Ein paar wenige Vorgehensweisen im Prozess der Tintenherstellung lassen sich aber konkret benennen.

  • Wärmebehandlung: diese Prozedur wird in Einzelfällen mit einigen Komponenten durchgeführt.
  • Auflösung in Wasser: die einzelnen Inhaltstoffe werden in Wasser, die Hauptzutat von Tinte, gegeben.
  • Filterung: Nach der Mischung wird die Tinte oft noch einmal gefiltert, um ein reineres Endprodukt zu erhalten.
  • Lagerung: Damit die Mischung zur Ruhe kommt und sich optimal entfalten kann, ist oft eine Lagerung von mehreren Tagen notwendig, bevor die Tinte fertig ist und ausgeliefert werden kann.

Die Herstellung von Druckertinte

Ist schon die genaue Zusammensetzung „regulärer“ Tinte größtenteils ein Geheimnis, wird bei Tinte für Tintenstrahldrucker, die in den so genannten Druckerpatronen zum Einsatz kommt, nicht gerade offener mit den Rezepten umgegangen. Auch hier lässt sich allerdings festhalten, dass das Tintengemisch zum größten Teil aus Wasser (50 bis 90 Prozent) besteht; auch im Fall von Druckertinte ist die Reinheit dieses Grundstoffs dabei von elementarer Bedeutung. Weitere Bestandteile, die sich in vielen Druckertinten finden, sind:

  • Farbstoffe
  • Lösungs- bzw. Bindemittel
  • Befeuchtungsmittel
  • Harz
  • Biozide
  • Fungizide
  • Tenside

Da an Druckertinte eine Fülle spezifischer Anforderungen gestellt werden, ist davon auszugehen, dass auch der Herstellungsprozess wesentlich komplizierter ist als bei normaler Schreibtinte. Tinte für Tintenstrahldrucker soll möglichst nicht innerhalb des Druckkopfes eintrocknen (bei längerer Nichtnutzung des Gerätes), gleichzeitig aber innerhalb kürzester Zeit nach dem Druck auf dem Papier trocken werden. Weiterhin werden die Tinten individuell auf die einzelnen Geräte beziehungsweise Düsen angepasst, wobei besonderes Augenmerk darauf gelegt werden muss, dass möglichst kleine Tröpfchen ausgestrahlt werden, um ein klares Druckbild zu garantieren. Dies schnürt die Fließeigenschaften der Tinte wiederum in enge Grenzen. Schließlich kommt es noch auf das Druckverfahren an, für das der jeweilige Tintenstrahldrucker ausgelegt ist: entweder arbeitet er mit dem piezoelektrischen Verfahren (welches sich der derzeit kleinsten Tintentröpfchen weltweit bedient) oder aber mit thermoaktiver Tinte, die vor allem im Textildruckverfahren zum Einsatz kommt.

Fazit: Tintenherstellung ist eine Wissenschaft für sich

Insbesondere die Hersteller von Druckertinte investieren sehr viel Zeit und Ressourcen in die Entwicklung hochwertiger Produkte, die einer Fülle von Anforderungen gerecht werden und eine ebenso große Menge an Qualitätstests bestehen müssen, um ins Sortiment aufgenommen zu werden. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass die genaue Prozedur der Herstellung streng geheim ist – und wir in der Folge auch nur bedingt dazu in der Lage sind, Ihnen Informationen darüber zukommen zu lassen.

Umso interessanter ist indes die Herstellung von Tinte nach historischen Rezepten; und in diesem Zusammenhang können Sie sich sogar selbst ausprobieren und so vielleicht in der Folge auch Ihre persönliche Affinität zum Zeichnen oder für die Kalligrafie entdecken. Dazu sei Ihnen das Kleine Rezeptbuch der historischen Tinten empfohlen, über das im Allgemeinen viel Gutes gesagt wird. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Ausprobieren und würden uns freuen, wenn Sie Ihre Erfolge hier in den Kommentaren oder auch bei Facebook mit uns teilen.

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